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NARIEDA Shinichiro


     

Download Booklet: NARIEDA, Matchaschalen bis 2011

Seine Werke entstehen inmitten der Bergwelt des Kirishima-Gebirges. Fernab der Großstädte lebt Narieda dort in einer naturnahen und beschaulichen Umgebung. Dort widmet er sich der Natur im Wechsel der Jahreszeiten, die in der Vielfalt von Form und farblicher  Gestaltung seiner Keramiken Ausdruck findet. Während manche seiner Matchaschalen von 2007 und 2008 an raues Vulkangestein erinnern, so schimmern seine Schalen von 2010 blau-türkis-pink, wie vom Wind beschwingte Kirschblüten vor dem Blau des Himmels. Lava-Rot fließt aus seinen Matchaschalen, die außen matt schimmern, wie gepresste Vulkan-Asche. Narieda verwendet mehrere unterschiedliche Ton-Arten, eine davon findet er direkt in seiner Umgebung, andere stammen aus entfernteren Orten. Viele seiner Werke 2010 sind geprägt durch eine Marmor-artige Mischung einer beigen und einer grünlichen Ton-Erde, über die sich eine Eierschalen-artige Glasurschicht legt.

     
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NARIEDA Shinichirô - Person und Werkraum

      

Am Rande eines kleinen Dorfes inmitten des Kirishima-Gebirges in Süd-Japan arbeitet der Keramiker in seiner puristisch ausgestatteten Werkstatt – ein kleines Seitenzimmer des hölzernen Wohnhauses, in dem er mit seiner Familie lebt. Zur Straße hin, die tief in die Berge führt, und das Haus von NARIEDAS Gemüsegarten am Rande eines kleinen Flusses trennt, sind seine Keramiken zu sehen. Neben seinen Matchaschalen (matcha chawan oder chawan), die er gerne vereinzelt über den Raum verteilt auf in Scheiben geschnittenen Baumstämmen präsentiert, finden sich zahlreiche Keramiken, die für den alltäglichen Gebrauch gedacht sind. So finden auch die Menschen des Dorfes Zugang zu NARIEDAS Werken.

      

Im Gegensatz zu anderen japanischen Keramikern, lebt und arbeitet NARIEDA nicht in einem der berühmten Töpfer-Orte wie Seto, Hagi oder Arita. Dies drückt sich auch sehr deutlich in seinem künstlerischen Stil aus, der gewissermaßen gegen die stilistischen Traditionen dieser Orte rebelliert. Während dort jeweils ein bestimmter Stil mit einer mehr oder minder festgelegten Formenwelt und Sprache der farblichen Gestaltung vorherrscht, distanziert sich NARIEDA von jeglichem Zwang des künstlerischen Ausdrucks. Zwar greift er Elemente einzelner bekannter Stilrichtungen auf, durchbricht diese jedoch wiederum durch seine stark expressive Individualität. Dies ist vielleicht auch als NARIEDAS individuelles Durchbrechen einer gewissen Festgefahrenheit der stilistischen Rezeption und Konzeptionalität der japanischen Teezeremonie, des chadô oder auch sadô (wörtlich: Teeweg), zu verstehen.  

      
 
      

 NARIEDA Shinichirô, April 2012

      

Matchaschalen [chawan]: Frühlings- und Herbstfarben

      

Frech wirken die schrillen Glasuren mancher seiner chawan, die sich in wilden Kontrasten zwischen Schwarz, Weiß, Rot, Violett, bis hin zu Pink und Türkis über die oftmals glatten und symmetrischen Formen legen (u.a. #1102, #0908, #0907), Lava-artig fließen (u.a. #0902) oder hin und wieder wie unkontrolliert und zufällig verspritzt wurden. Obgleich dabei die Farbgebung der chawan als zentralem Objekt der japanischen Teezeremonie den traditionellen Rahmen überschreitet, ist bei den Schalen dieser farbenfrohen Linie jedoch die Form verhältnismäßig traditionell gehalten. Nicht selten lehnt sie sich an die Formen der berühmten tian-mu-Schalen (jap.: temmoku chawan), benannt nach einem der buddhistischen Berge Chinas „tian-mu“, an (vgl. #1102). Auffällig ist dabei allerdings, dass gerade die tian-mu-Schalen für ihre Farbgebung in Grau, Braun- bis Schwarztönen bekannt sind. NARIEDA greift somit zwar die traditionelle Formensprache auf, und setzt diese in seinen Werken in Bezug zu den schrill-bunten Glasuren, die den traditionellen Farbraum überschreiten. NARIEDA greift dabei die Farben der blühenden Natur des Kirishima-Gebirges im Frühling auf, oder die bunten Töne des Herbstlaubes. Besonders NARIEDAS starker Bezug zur natürlichen Umgebung und die Einfachheit seines Lebensstils, der sich auch in seinem kleinen Gemüsegarten widerspiegelt, erinnern aber doch ganz deutlich an einige Kernelemente des chadô, indem der Bezug zur natürlichen Umgebung eine wesentliche Rolle spielt. Die Anhänger einer rigide stilisierten Tradition der japanischen Teezeremonie jedoch, so wäre zu vermuten, würden Nariedas Farbgebung möglicherweise als Offensive des Popart gegen den Geist des Tees verstehen.  

      

      
       

Matchaschalen [chawan]: Ascheanflug-Glasuren

      

Während NARIEDA in den vergangenen Jahren die Ascheanflug-Glasur bei seinen chawan nur als ein Glasur-Element in der untersten Glasurschicht einsetzte, über die sich andere transparente und auch farbige Glasurschichten legten, entstanden 2011 mehrere chawan (vgl. #1119, #1115, #1114, #1113, #1101), bei denen die Ascheanflug-Glasur dominiert. Lediglich kleine kristallartige, weißlich bis hellblaue Glasuren, für die im Ton zunächst eine Einkerbung geschaffen wurde, um sie dann dort einzusetzen, ergänzen die Ascheanflug-Glasur der meisten dieser Schalen. Auffällig ist bei der Reihe dieser chawan, dass NARIEDA hier nicht so offenkundig gegen die Tradition der gedeckten Farbtöne rebelliert, wie bei vielen seiner früheren Schalen. Der Grundton der chawan mit Ascheanflug-Glasur von 2011 ist Grau, stellenweise tendierend zu helleren Tönen bis gedecktem Weiß, dunkleren Tönen, aber auch Erd-Tönen, die bis hin zu zurückhaltendem Orange reichen, ergänzt durch metallisch schimmernde Akzente. Hinsichtlich der farblichen Ausgestaltung lassen sich diese Schalen unter anderem mit den roten raku chawan vergleichen, deren Tradition auf den berühmten Töpfer CHÔJIRO (? – 1589) zurückgeht, der die ersten raku chawan für berühmten Teemeister SEN NO RIKYÛ (1522 – April 21, 1591) herstellte. Im Vergleich zu den chawan von CHÔJIRO, die eine eher glänzende Oberfläche aufweisen, prägt die auf den Ascheanflug-Brand zurückgehende matte Oberfläche der Schalen NARIEDAS deren Charakter wesentlich mit. Die Formensprache der Ascheanflug-Schalen NARIEDAS ist sehr facettenreich, und reicht von stabiler wirkenden, Becher-artigen oder auch weit ausladenden Schalen bis hin zu zierlicheren, eher Tulpen-förmigen Schalen. Mit den Farbtönen und auch Formen dieser Reihe bewegt sich NARIEDA nun im Gegensatz zu seinen Schalen früherer Jahre deutlich stärker in der Tradition der Schlichtheit und Einfachheit des Teewegs.

      

      
       

Die matte Oberfläche erinnert dabei an die Lehmwände eines bescheidenen Teeraums (chashitsu). Der Teemeister JUKÔ (1421 – 1502) stuft diesen in den Stilmodus sô (Grass) ein, der Unvollkommenheit, Unscheinbarkeit, Alltäglichkeit, und zuweilen auch die Zufälligkeit des Schöpfungsprozesses ausdrückt. Der Stil-Modus sô (Grass) erinnert dabei an die Stroh-gedeckte Einsiedlerhütte, sô-an. Im Kontrast dazu repräsentiert der Stil-Modus shin (Wahrheit, Reinheit, Echtheit) die vollendete Schönheit, die zu JUKÔS Zeit in der Verwendung von edlem chinesischem Tee-Gerät bei der Teezeremonie gesehen wurde.

      

JUKÔ beschreibt die Antithese beider Stil-Modi, sô und shin, als neuen daraus entstehenden Stilmodus gyô. Er sieht den ästhetischen Reiz des Stilmodus gyô dadurch erschaffen, dass ein edles Gerät für den Teeweg im Stilmodus shin in einem bescheidenen Teeraum Verwendung findet. Dieser Kontrast, der zugleich eine Einheit in Form des Stilmodus gyô ins Leben ruft, ist bei NARIEDAS chawan in anderer Weise zu finden: Die weißlich, leicht bläulich schimmernde, in die Schale eingesetzte Glasur, erinnert an einen edlen Kristall (Stilmodus shin). Dieser bildet mit der schlichten Farblichkeit und matten Oberflächenbeschaffenheit der chawan mit Ascheanflug-Glasur (Stilmodus sô) die Einheit des Stilmodus gyô.

      

JUKÔ drückt diese Idee wie folgt aus: „Es ist gut, an eine Strohhütte ein edles Ross anzubinden (waraya ni meiba tsunagitaru ga yoshi).“ Die Strohhütte repräsentiert dabei den bescheidenen Teeraum im Stilmodus sô, und das edle Ross den Stilmodus shin.

      

Matchaschalen [chawan]: Mit der Hand aufgebaute Schalen  

      

Die mit der Hand aufgebauten chawan von NARIEDA wirken wie in der Natur gefundene Objekte, wie Pilze, die aus dem Waldboden sprießen, wie Steine, die zufällig entdeckt wurden. Sie öffnen sich rund nach oben (#1006, #1101), oder strecken sich eher Tulpen- bis Becher förmig in die Höhe (#1111). Der Scherben ist massiver als bei den auf der Töpferscheibe gedrehten Matchaschalen. NARIEDA verwendet bei den aufgebauten chawan oftmals zwei Tonsorten, eine weißlich und eine grünliche. Ansatzweise vermischt er beide Tonsorten, aber nur soweit, dass sie wie Marmor-artige Wogen ineinandergreifen, der farbliche Kontrast jedoch bestehen bleibt. Die bräunlich-metallischen, punktartigen Wurmlöcher, wie man sie auch von Seladon-Schalen kennt, blitzen wie die eingefrorene Gischt über den Wogen auf. Die Formen dieser chawan sprechen klar aus, dass sie mit der Hand geformt wurden, indem die Oberfläche bewusst nicht ganz geebnet wurde, und der Rand der Schalen leicht wellenförmig verläuft. Auch das Ineinandergreifen der beiden Tonsorten dokumentiert den Schaffungsprozess dieser chawan. Die Zeit wurde dabei gewissermaßen zum Stillstand gebracht: Die Wogen glätten sich nicht mehr, die Gischt wird im Augenblick gefangen.

      

      
       

Zugleich findet man hier auch deutlich den religiös-ästhetischen Gedanken des wabi, den der berühmte Teemeister RIKYÛ wie folgt erläutert:

„Der in der Teezeremonie des JÔÔ (RIKYÛS eigener Meister) erlebte Geist ist identisch mit dem eines Gedichtes von TEIKA im shinkokushu“:  

      

Soweit das Auge blickt,
weder Kirschblüten
noch gefärbte Ahornblätter;
nichts außer der strohgedeckten Hütte
im Dunst des Herbstabends.
miwataseba
hana mo momiji mo
nakarikeri
ura no tomaya no
aki no yûkure